Recyclingpapier – wirklich besser für die Umwelt?

Recyclingpapier – wirklich besser für die Umwelt?

Für manche ist das Thema Umweltschutz in den Medien derzeit vielleicht überrepräsentiert. Andere sind der Meinung, dass es im Grunde nicht genug behandelt werden kann. Noch besser als nur darüber zu berichten, ist in jedem Fall die Umsetzung in der Praxis.

Inwiefern kann beim Thema Druckprodukte der Aspekt Umweltschutz mit einbezogen werden? Und was ist dran an den Vorurteilen, die beim Gedanken an Recyclingpapier sofort in den Sinn kommen? Umweltverträgliches Papier ist grau, grobfaserig, das Druckbild wird uneben und es ist weniger lange haltbar als Frischfaserpapier … stimmt das? Und lohnt sich das wiederverwerten von Papier überhaupt?

Herstellungsprozess von Recyclingpapier bietet Vorteile für die Umwelt

Fakt ist, dass das Wiederverwerten von Papier einige Vorteile für die Umwelt bietet. So ist der erste Punkt offensichtlich: Für die Herstellung von Recyclingpapier muss kein Baum gefällt werden. Zudem muss Altpapier weniger intensiv gebleicht werden wie Frischfasern. Es wird nur die Hälfte an Energie verbraucht und nur ein Siebtel bis ein Drittel der Wassermenge im Vergleich zur Herstellung von Frischfaserpapier.

Wie viel Papier wird jedes Jahr verbraucht und woher stammen die Rohstoffe?

Durchschnittlich werden in deutschen Unternehmen täglich 25 Seiten gedruckt, pro Jahr kommen bei 228 Arbeitstagen etwa 5.700 Seiten Papier zusammen – pro Mitarbeiter!

Beinahe jeder zweite industriell gefällte Baum weltweit wird zu Papier verarbeitet, was bedeutet, dass im Papier-Recycling ein guter Ansatz zum Schutz der Wälder und damit dem Umweltschutz im Allgemeinen entsteht. 

In Deutschland liegt in der Papierherstellung die Altpapiereinsatzquote bei 75 % und lässt sich kaum noch erhöhen. Trotzdem ist es möglich, mehr Altpapier bei der Herstellung von Zeitschriften-, Büropapieren und von Hygienepapieren zu nutzen. Bei Letzterem ist der Altpapiereinsatz (vermutlich aufgrund von Vorurteilen) sogar rückläufig. Auch ist beispielsweise nur eines von zehn Schulheften aus 100% Recyclingpapier. Bei der Nachfrage nach Produkten aus Recyclingpapier ist also noch Luft nach oben.

„Wer beim Kauf von einem Paket Papier mit 500 Blatt, das etwa 2,5 Kilogramm (kg) wiegt, zu Recyclingqualität greift, spart 5,5 kg Holz. Mit den 7,5 Kilowattstunden Energie, die man bei Kauf eines Paketes Recyclingkopierpapier zusätzlich spart, kann man 525 Tassen Kaffee kochen.“

Das Umweltbundesamt

Obwohl Deutschland laut WWF nach den USA, China und Japan der viertgrößte Papierproduzent der Welt ist, ist es nach den USA der zweitgrößte Papier- und Zellstoffimporteur der Welt. Dabei steigt der Pro-Kopf-Verbrauch von Papier in Deutschland kontinuierlich und wird nur von wenigen Länder der Erde übertroffen. Immerhin sammelt kaum ein Land mehr Altpapier als Deutschland.

Ein großes Problem besteht bei importiertem Papier und Papierprodukten darin, dass schwer zu erkennen ist, ob Holz aus Urwäldern und/oder Raubbau darin enthalten ist oder nicht.

Das Angebot an recyceltem Papier ist in Deutschland durchaus gegeben. Hier ist also der Verbraucher gefragt – sei es im privaten oder geschäftlichen Bereich. Dies beginnt nicht erst bei den in diesem Artikel genannten Druckprodukten, sondern schon bei Hygieneartikeln wie Taschentücher, Toilettenpapier und Küchenrollen, die nahezu überall in Recyclingqualität erhältlich sind. Sicher trägt neben den genannten Vorurteilen in Bezug auf Recyclingpapier auch die Verunsicherung durch die Flut an Siegeln zum verhaltenen Kauf von Recyclingprodukten bei.

Diese Siegel sollen jedoch Klarheit schaffen und helfen, sich für die ökologisch sinnvolle Variante zu entscheiden.

Nachhaltigkeit und Umweltschutz

Qualitätssiegel auf Papierprodukten – wie vertrauenswürdig sind diese?

Blauer Engel

Das Umweltzeichen Blauer Engel ist beim Thema Umweltschutz die zuverlässigste Wahl, wenn es um Papierprodukte geht. Dies bestätigen das Umweltbundesamt, Greenpeace und der WWF.

ÖKOPAplus

Dieses Siegel enthalten nur Papierprodukte, die bereits die Zertifizierung mit dem Blauen Engel geschafft haben. Daher können mit diesem Zeichen versehene Produkte ebenso mit gutem Gewissen erworben werden.

Empfehlenswert: Blauer Engel und ÖKOPAplus

Empfehlenswert: Umweltzeichen Blauer Engel und ÖKOPAplus

FSC

Der FSC verspricht, dass für Produkte mit diesem Siegel „nur zertifizierte Materialien aus verantwortungsvoller Waldwirtschaft, kontrolliertes Holz oder Recyclingmaterial eingesetzt werden“. Vor allem bei Holz aus Urwäldern sieht dies laut einem Interview, das auf der Webseite von Greenpeace zu finden ist, anders aus. Stattdessen solle besser auf den Blauen Engel als Umweltzeichen geachtet werden.

Auch der WWF ist der Ansicht, dass insbesondere das „FSC mix“-Siegel nur eingeschränkt zu empfehlen ist.

PEFC

Insbesondere für Papierprodukte wird dieses Siegel weder vom WWF, von Greenpeace (Zitat aus dem oben verlinkten Interview: „Hier hat sich die Wirtschaft im Wesentlichen selbst ein Gütesiegel verpasst, unabhängige Kontrollen zum Waldschutz gibt es nicht.“) noch vom Umweltbundesamt empfohlen. Stattdessen ist der Blaue Engel eine sichere Wahl.

Weniger bis nicht empfehlenswert: FSC und PEFC

Weniger bis nicht empfehlenswert: FSC und PEFC

Weitere Siegel und Bezeichnungen, die aus Sicht des Umweltschutzes nicht zu empfehlen sind

Die Siegel Aqua pro Natura und EU Ecolabel oder Bezeichnungen wie holzfreies Papier und chlorfrei sagen jeweils wenig bis nichts über die Nachhaltigkeit der Produkte aus – mehr dazu auf den Seiten abenteuer-regenwald.de sowie auf den bereits verlinkten Seiten von Greenpeace und dem WWF.

Eigenschaften von Recyclingpapier

In Sachen Umweltschutz hat also das Recyclingpapier mit dem Blauen Engel auf jeden Fall die Nase vorn. Doch was ist dran an den Vorurteilen; kann es auch qualitativ mit Frischfaserpapier mithalten? Rauh, grau und weniger haltbar – diese Eigenschaften kommen beim Gedanken an Recyclingpapier häufig in den Sinn. Ist das wirklich so?

Nein – auch bei der Qualität ist auf den Blauen Engel verlass, denn das zertifizierte Recyclingpapier erfüllt alle Anforderungen, die an modernes Papier gestellt werden. Somit eignet es sich für gängige Bürogeräte ebenso gut wie für anspruchsvolle Druckverfahren. Beim Weißgrad ist das hellste Recyclingpapier nicht mehr von Frischfaserpapier zu unterscheiden. Diese Helligkeitsstufe wird in Deutschland in der Regel mit umweltfreundlichen Methoden erzielt.

Welche Druckprodukte lassen sich aus Recyclingfasern herstellen?

Alles, was aus Frischfasern herzustellen ist, lässt sich auch aus Recyclingfasern produzieren und ist ebenso gut bedruckbar:

  • Flyer und Faltblätter
  • Geschäftspapiere wie Briefpapier und -Umschläge
  • Visitenkarten
  • Etiketten und Aufkleber
  • Magazine und Kataloge
  • Bücher
  • Karten

Preisunterschied im Vergleich zu Frischfaserpapier

Je nach Situation auf dem Weltmarkt schwankt der Preis für Recyclingpapier im Vergleich zu Frischfaserpapier zwischen -20% und +20%.

In Druckereien können Produkte aus Recyclingpapier – wohl aufgrund der geringeren Nachfrage – ein wenig teurer sein. So liegt der Preis einer bekannten Druckerei für 1000 Visitenkarten aus Recyclingpapier mit dem Umweltzeichen Blauer Engel um knapp 37 % höher als das vergleichbare Produkt aus frischen Fasern. Dies würde sich durch eine Änderung der Nachfrage auf lange Sicht wahrscheinlich relativieren.

Fazit: Zeichen setzen und mit gutem Beispiel voran gehen

Qualitativ steht Recyclingpapier einem Frischfaserpapier heute in nichts mehr nach. Es hat einen vergleichbar hellen Weißton, lässt sich ebenso gut verarbeiten und auch die Alterungsbeständigkeit ist identisch.

Druckprodukte aus Recyclingpapier sind derzeit teurer als vergleichbare Produkte aus Frischfaserpapier. Dies wird sich wahrscheinlich ändern, wenn die Nachfrage steigt.

Die Nutzung von umweltfreundlichem Recyclingpapier bildet natürlich auch für das Marketing Vorteile. Einsatz für den Umweltschutz – in welcher Form auch immer – wirft ein gutes Licht auf Unternehmen und die Bevölkerung ist zurzeit für das Thema sensibilisiert. So wünschen sich vor allem junge Zielgruppen mehr Umweltschutz im Berufsleben. Da ist der Schritt hin zu Recyclingpapier schon ein guter Anfang.

Übrigens: Wer bei seinen Druckprodukten noch weiter gehen will, kann auch bei der Wahl der Druckfarben auf umweltfreundliche Alternativen setzen.

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